…ein verregnetes Wochenende neigt sich dem Ende entgegen.
Was war los in Detmold? Das Residenzfestchen! Ist irgendwie ins Wasser gefallen. Mitglieder der Werbegemeinschaft würden wahrscheinlich von einem Riesenerfolg sprechen, “der die Stadt Detmold in seiner Attraktivität und Beliebtheit im hohen Maße bereichert hat … blabla…” Ok, die Zitate aus den üblichen Pressemeldungen kennen wir. Was konnte man heute wirklich sehen?
Kasperltheater für die Kleinen: sehr gut, das geht immer. Eine Würstchenbüde: Nun gut, die gehört halt dazu. Offene Geschäfte (womit wir beim Kern des Sinns und Unsinns dieser Veranstaltung angelangt wären): Arme Kaufleute, kein Wochenende gehabt. 5 VWs von Stegelmann: weiter gehts mit den mehr oder weniger attraktiven Kaufanreizen. Eine Baustelle, um die sich alle Leute drumherum geschlängelt haben: Sieht schxxx aus, ist es auch.
Ok, hermann, ganz ruhig bleiben. Liest du hier (Lippe-aktuell, Zitat des Vorsitzenden der Werbegemeinschaft): “Wir haben wieder ein attraktives Programm zusammengestellt, um das diesjährige Residenzfest am 4. und 5. Oktober trotz oder gerade wegen (!) der Baustelle Marktplatz zu einem vollen Erfolg werden zu lassen“. Einfach sensationell. Will man die Detmolder Bürger eigentlich für doof verkaufen? Wegen der Baustelle wird es ein tolles Residenzfest…ich bin echt kurz davor, das wirklich zu glauben…
Hat mich alles irgendwie an die gestrige “Wetten, dass…?-Sendung” erinnert, wo alle Gäste ihre neuste CD vorgestellt – als Alibi für ihr Kommen in die Sendung aber als Wettpate fungiert haben. Außer vielleicht Karl Lagerfeld, der außer seinen Steiff-Teddys nichts außergewöhnlich neues anzubieten hatte. Seine Kollektion kommen – wie alle anderen auch – zwei mal im Jahr neu raus. Außerdem ist er schon mindestens 70 Jahre alt geworden, da lässt das mit der aggressiven Verkaufsförderung etwas nach. Altersmilde nennt man das wahrscheinlich. — Jedenfalls gehört dieses Fest in Detmold eher zu denen, die die Welt nicht braucht, da gibt es besseres.
Neben eines Besuches in der Metropole Ostwestfalens, einem gleichzeitigen Besuch seiner wirklich gelungenen Kunsthalle (samt einer derzeit vielleicht nicht ganz so gelungenen Austellung einer recht bekannten Person aus New York) stand es doch ganz im Zeichen des Herbsts. Tiramisu essen im Stahlberg Alter Markt (zu empfehlen). Kastanien und Herbstlaub sammeln. Und so weiter. Viel geregnet und gestürmt hat es, dass die Schwarte kracht. Wer jetzt seine Heizung noch nicht eingeschaltet hat, ist selber schuld. Oder vielleicht HartzIV-Empfänger, wie es neulich von einem inzwischen berühmt berüchtigten Berliner Minister erklang: Öfter mal seinen Pullover anziehen, um Heizkosten zu sparen.
Enden sollte das Wochenende mit einem frisch ausgeliehenen Filmchen aus einer Detmolder Videothek.

Keinohrhasen, mit Til Schweiger und anderen selbstverliebten Akteuren der deutschen Kinoleinwand. Nun ist es ja nicht so, dass ich bei diesem Film mit sonderlich viel gerechnet hätte. Aber dass es so schlimm kommt, hat selbst hermine überrascht. Nach spätestens einer halben Stunde im Free-TV hätte ich umgeschaltet oder bereits alle Seiten des Videotextes des entsprechenden TV-Senders durchgehabt. Dieser Film hat ja nicht nur kein Niveau (wovon auszugehen war), er hat auch alles andere nicht. Keine Handlung, kein wirklich witzigen Witz.
Die geöffnete Flasche Weißwein leerte sich aus Frust und Langeweile schneller als erlaubt. Da schmerzte selbst der eine Euro, den dieser Film gekostet hatte. Und “mein neues Leben XXL” wäre mit Sicherheit die bessere Alternative gewesen…
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