Wundert wen noch irgendwas, Teil 5

Zur Zeit ist dieses Thema mal wieder ganz groß in der Presse. Wie hier…

Der Influenza-Koordinator am staatlichen Robert-Koch-Institut berät nach Spiegel-Informationen eine von der Pharmaindustrie finanzierte Vereinigung. Kooruptionswächter beklagen die Verquickung – ein Amtsträger dürfe nicht so eng mit einem Lobbyverein verbandelt sein.

Walter Haas, Koordinator der Influenza-Expertengruppe am staatlichen Robert-Koch-Institut (RKI), ist wissenschaftlicher Berater einer ausschließlich von der Pharmaindustrie finanzierten Vereinigung. Nach SPIEGEL-Informationen unterstützen zehn Arzneikonzerne die European Scientific Working Group on Influenza (ESWI), für die er tätig ist.

Unter ihnen befinden sich GlaxoSmithKline, Hersteller des deutschen Schweinegrippe-Impfstoffs, sowie der Schweizer Roche-Konzern, der das antivirale Mittel Tamiflu produziert. Nach eigenem Bekunden ist ESWI ein unabhängiger Forscherverbund. Er organisiert regelmäßig Grippe-Konferenzen mit vielen hundert Teilnehmern.Im Statut steht, der Verband kläre Politiker und Gesundheitsbehörden über „die Vorteile und die Sicherheit von Influenza-Impfstoffen und antiviralen Medikamenten“ auf. Man befördere „eine Politik für die antivirale Bevorratung“ und biete dazu wissenschaftliche Argumente.

Tatsächlich taucht auf den ESWI-Web-Seiten unter anderem ein Werbefilm von Tamiflu-Produzent Roche auf. Ein ESWI-Sprecher sagte dem SPIEGEL, man sei stolz, eine „hochkarätige Institution“ wie das RKI und Walter Haas als unentgeltlichen Berater gewonnen zu haben.

Angela Spelsberg von der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International beklagt, das RKI bewege sich hier sowohl ethisch als auch rechtlich in einer Grauzone: „Es kann nicht sein, dass ein Amtsträger, der allein dem Wohl der Bevölkerung dienen soll, so eng mit einem Lobbyverein verbandelt ist“.

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